14.01.2026
Starker Zuspruch für das Holzbau-Forum
Vom 3. bis 5. Dezember traf sich die Holzbaubranche zum 29. Internationalen Holzbau-Forum. Mit hoher Beteiligung und einer positiven Grundstimmung, trotz eines wirtschaftlich angespannten Umfelds. Das der Holzbau im Trend liegt und weiter an Zustimmung gewinnt, zeigte sich auch anhand steigender Besucherzahlen. Insgesamt stellten 220 Aussteller aus und besuchten 3.020 Interessierte die Veranstaltung in Innsbruck
Neben Fachpublikum, Unternehmen und Experten kamen auch junge Fachkräfte die sich für offene Stellen interessieren, sowie Unternehmen, die im Zuge von Generationswechseln gezielt nach Personal Ausschau hielten.
Internationale Resonanz über den D-A-CH-Raum hinaus
Auch international zeigt das Holzbau-Forum Relevanz. 378 Teilnehmenr aus 37 Ländern außerhalb des D-A-CH-Raums – darunter Italien und Südtirol – zeigen, dass das IHF über den deutschsprachigen Raum hinaus wahrgenommen wird.
Der Kongress versteht sich dabei nicht als klassische Fachmesse. Das Vortrags- und Diskussionsprogramm rückt Einordnung und Austausch in den Vordergrund. Sowohl die Themen als auch der Umfang und die Bandbreite der Fachausstellung stießen bei den Besuchern auf eine breite Zustimmung.
Ingenieurholzbau als Publikumsmagnet
Volle Säle gab es auch in diesem Jahr. Dabei gehörte der Ingenieurholzbau zu den besonders beliebten Themen. Überdurchschnittlich besucht war die Vorstellung der derzeit größten Holzmodulbau-Baustelle Europas auf dem Campus der Zollhochschule in Rostock.
Auf vergleichbare Resonanz stießen internationale Projekte: das „Atlassian“-Hochhaus in Sydney ebenso wie die Überdachung des „PNE Amphitheatre“ und der Bürokomplex „The Hive“ in Vancouver – beide in einer Erdbebenrisikozone gelegen. Auch die Architektur des Bloomberg Student Center an der Johns Hopkins University in Baltimore, der Holzbau im Innsbrucker Quartiersprojekt RAIQA sowie das Terrassenbürohaus „Wood“ in Grenoble fanden große Aufmerksamkeit.
Holz als Botschafter: die Skulptur „Munimax“
Ein weiterer Publikumsmagnet war die Entstehungsgeschichte der Großskulptur „Munimax“. Das Gemeinschaftsprojekt von 246 Unternehmen und Ausbildungsstätten aus der Schweiz zeigte, welches Potenzial im Zusammenspiel von Handwerk, Industrie und regionaler Kooperation steckt. Als Blickfang beim Volksfest ESAF 2025 hat das Holzstier die Erwartungen deutlich übertroffen. Er soll künftig in einer anderen Schweizer Region eingesetzt werden.
Rohstoffe werden zunehmend zum Thema
Kein Bau kommt ohne Rohstoffe aus. Im Holzbau dominiert bislang Nadelholz. Beim Auftakt des Internationalen Holzbau-Forums machte Matthias Dieter vom Thünen-Institut Hamburg diese Abhängigkeit zum Thema.
Mit einer weiter steigenden Holzbauquote in Europa und weltweit dürfte Nadelholz knapper werden, sagte Dieter. Der Rundholzmarkt wird dadurch anfälliger für Schwankungen. Das Angebot verschiebt sich zunehmend in Richtung zu sehr starkem Holz. Zugleich verknappten Trockenheit und Kalamitäten die verfügbaren Mengen regional unterschiedlich.
Hinzu kommen politische Vorgaben. Dieter verwies auf die EU-Klimaschutzpolitik, insbesondere die LULUCF-Verordnung, sowie auf die Biodiversitätsstrategie der EU. Je nach nationaler Umsetzung und Umfang des Nutzungsverzichts könnten beide spürbare Auswirkungen auf das Rohholzangebot der Forstwirtschaft haben.
Gleichzeitig sieht Dieter ungenutztes Potenzial bei Laubstammhölzern. Im konstruktiven Holzbau spielen sie bislang eine untergeordnete Rolle, obwohl dort noch Nutzungsreserven bestehen.
Klima-Update jenseits der Wetterdaten
Wolfram Kübler, Geschäftsführer des Zürcher Ingenieurbüros Walt Galmarini, stellte beim Internationalen Holzbau-Forum das traditionelle Klima-Update vor. Anders als in den Vorjahren behandelte es keine meteorologischen Entwicklungen, sondern die Treibhausgasemissionen aus der Herstellung von Zement und Beton.
Kübler zeigte auf, dass sowohl beim Materialeinsatz als auch bei der Qualitätsanforderung von Zement und Beton Einsparpotenziale bestehen. Durch Mengen- und Qualitätsoptimierung lasse sich der Ressourceneinsatz deutlich reduzieren.
Vor diesem Hintergrund verwies Kübler auf eine aktuelle juristische Entwicklung: Gegen den Zementhersteller Holcim war Monate vor dem IHF 2025 erstmals eine Klimaklage gegen einen großen Produzenten der Branche eingereicht worden. Im Dezember 2025 wurde die Klage zur Verhandlung vor dem Kantonsgericht Zug zugelassen. Weitere Verfahren gegen große Treibhausgasemittenten gelten damit als wahrscheinlich.
Ergänzend nannte Kübler eine Studie der ETH Zürich, die 180 sogenannte „Carbon Majors“ identifiziert. Diese Unternehmen tragen mit ihrem CO₂-Ausstoß in besonderem Maß zum menschengemachten Klimawandel bei.
Zeitdruck bei der Emissionsminderung
Nach Küblers Einschätzung geht es inzwischen nicht mehr um die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Maßgeblich sei vielmehr, die 2-Grad-Marke nicht zu überschreiten, um irreversible Klimarisiken zu vermeiden. Daraus ergebe sich eine deutlich höhere Dringlichkeit bei der Emissionsminderung. Emissionen müssten schneller und in größerem Umfang vermieden werden, gleichzeitig müsse CO₂ aktiv aus der Atmosphäre entfernt werden – in einem Ausmaß, das durch Wald und Holzbau allein nicht zu leisten sei. „Wir müssen Vollgas geben“, sagte Kübler.
Nachhaltiges Bauen lasse sich nur erreichen, wenn mehrere Hebel gleichzeitig genutzt würden. Kübler nannte die Internalisierung der Klimafolgekosten, den gezielten Einsatz öffentlicher Mittel sowie eine zukunftsfähige Baugesetzgebung und entsprechende Ausschreibungen. Besonders wirksam sei jedoch die Klima- und Baustoffkompetenz auf Seiten der Auftraggeber – bei Bauherren, Developern und Architekten.
Zu diesem Wissen zählt Kübler unter anderem den Erhalt bestehender Gebäude, den Einsatz von Stampflehm in Wänden sowie die Verwendung von Lehmsteinen und anderen massiven Baustoffen. Im Holzbau plädierte er für Konstruktionen mit möglichst hohem Holzanteil, für hybride Holz-Beton-Systeme mit geringem Stahlanteil sowie für emissionsreduzierten Beton mit Recyclinggranulat.
Angesichts der verlorenen Zeit hält Kübler auch den Einsatz der kostenintensiven CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) für vertretbar. Die Schweiz und Norwegen verhandeln derzeit ein Abkommen zur Speicherung von CO₂ aus rund vier Millionen Tonnen Zement pro Jahr. Ziel sei es, bis 2050 rund 90 Prozent der Emissionen der Zementindustrie in ausgeförderten Erdgaslagerstätten einzulagern. Die Mehrkosten von rund 20 Prozent pro Kubikmeter Beton seien aus seiner Sicht vertretbar.
Geopolitik als Gastthema
Der traditionelle IHF-Gastvortrag vor den Ehrungen der Branchenpersönlichkeiten widmete sich in diesem Jahr einem Thema außerhalb des Holzbaus. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen der Politik von US-Präsident Trump auf die internationale Ordnung.
Dr. Christoph M. Schneider, Geschäftsführer des Wiener Wirtschaftsforschungsinstituts Economica, beschrieb die Folgen eines politischen Paradigmenwechsels, der weit über die USA hinausreiche. Für die Europäische Union bedeute er eine Abkehr von Konsens, Zusammenarbeit und internationaler Arbeitsteilung. An deren Stelle trete eine Politik, die auf Konfrontation, Drohungen und Macht setze und wirtschaftliche Interessen des eigenen Landes in den Vordergrund stelle.
Schneider machte deutlich, dass nicht allein konkrete Entscheidungen der US-Politik problematisch seien, sondern vor allem deren Signalwirkung. Der rote Faden seines Vortrags war die Rolle der USA als Vorbild. „Wenn der Hüter von Recht und Ordnung sein Verhalten ändert, dann folgen andere dem Vorbild“, sagte Schneider.
Schneider verwies in diesem Zusammenhang auf die 2001 von China initiierte Shanghai Cooperation Organisation (SCO). Sie habe in diesem Jahr ihre Rolle als geopolitischer Gegenpol zu den USA deutlich gezeigt. „Präsident Xi füllt jetzt das Vakuum, das Amerika in der Welt hinterlässt“, sagte Schneider.
Verschiebungen in der Weltwirtschaft
Die von der Politik Trumps ausgelöste wirtschaftspolitische Unsicherheit hat vor allem für die Europäische Union weitreichende Folgen. Der Vertrauensverlust unter Unternehmern führt zu einem spürbaren Rückgang der Investitionstätigkeit in Europa. Schwerer wiegt jedoch eine strukturelle Verschiebung: Das Wachstum der Weltwirtschaft verlagert sich zunehmend in autokratisch organisierte Staaten.
Viele dieser Länder verfügen zugleich über wichtige oder seltene Rohstoffe. Das verschärft die Abhängigkeiten und verändert die globalen Machtverhältnisse nachhaltig.
Trotz der wachsenden Zahl bewaffneter Konflikte zeigt sich die Weltwirtschaft insgesamt widerstandsfähig. Das globale Wachstum hält sich, sagte Schneider, bleibt jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. „Das Wachstum weltweit ist nicht schlecht, aber mit kooperativem Handeln wäre es besser“, so der Ökonom.
Die Kosten der Konflikte seien erheblich. Nach Schneiders Angaben entziehen sie der Weltwirtschaft jährlich rund 600 Milliarden Dollar an Wertschöpfung – in etwa so viel, wie Volkswirtschaften wie Belgien oder Schweden in einem Jahr erwirtschaften.
Europa unter Wettbewerbsdruck
US-Präsident Trump verfolgt derweil eine politische Agenda, die sich eng an dem „National Transition Project“ der Heritage Foundation orientiert. Die Umsetzung dieser Ziele erfolgt, so Schneider, vielfach unter Umgehung parlamentarischer Prozesse in den USA.
Erfolg verspricht dieser Kurs aus Schneiders Sicht jedoch nicht. Steigende Inflationsraten, sinkende Zustimmungswerte und ein deutlicher Rückgang der Attraktivität der USA für internationale Studierende sprechen gegen Trumps Strategie. Das von ihm angekündigte „goldene Zeitalter“ für die Vereinigten Staaten wird sich nicht einstellen.
Mit den neuen Zollsätzen, so Schneider, wird die internationale Zusammenarbeit auf ein Niveau wie vor hundert Jahren zurückgeworfen. Das verknappt das Angebot an Gütern und Dienstleistungen und treibt die Preise. „Das ist Selbstzerstörung mit Anlauf“, sagte der Ökonom.
Europa muss darauf reagieren. Die US-Zollpolitik und zusätzliche bürokratische Hürden erschweren europäischen Unternehmen den Zugang zum amerikanischen Markt weiter. Schneiders Schlussfolgerung: Die Europäische Union muss ihre Wettbewerbsfähigkeit aus eigener Kraft stärken. Dazu gehört vor allem, innereuropäische wirtschaftliche Freiheiten auszuweiten und Regulierungen abzubauen. Denn die USA ist der wichtigste Handelspartner der EU – nicht China.
Schneider verwies zudem auf das Produktivitätsproblem europäischer Unternehmen im Vergleich zu den USA. In den vergangenen zwanzig Jahren haben nur wenige Länder – darunter Irland, Polen und die baltischen Staaten – ihre Produktivität spürbar steigern können. In den etablierten EU-Volkswirtschaften ist das Wachstum dagegen seit Jahren schwach.
Vor diesem Hintergrund ordnet Schneider auch die von ihm beschriebenen „7D“ ein – damit sind Faktoren gemeint, die Wirtschaft und Inflation beeinflussen. Lediglich zwei davon wirken potenziell preisdämpfend: Deregulierung und Digitalisierung. Die übrigen Faktoren – Dekarbonisierung, Deglobalisierung, demografischer Wandel, steigende Verteidigungsausgaben und hohe Verschuldung – erhöhen dagegen den Preisdruck.
Forum Holzbau kompakt
Forum Holzbau ist eine gemeinsame Plattform der Aalto University School of Science and Technology in Helsinki, der Berner Fachhochschule, der Technischen Hochschule Rosenheim, der Technischen Universität München, der Technischen Universität Wien sowie der University of Northern British Columbia. In Italien besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Università di Trento.
Ziel des Vereins ist die Förderung des Holzbaus. Überschüssige Mittel fließen in die Unterstützung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten, insbesondere von Studierenden, und kommen damit direkt der Holzwirtschaft zugute. Die nächste Veranstaltung des Forum Holzbau - der 7. Deutsche Holzbau Kongress 2026 (DHK) findet am 14./15. April in Berlin statt. Weitere Infromationen unter: www.forum-holzbau.com
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